Der Tod und das Mädchen im Blumengarten

Es ging ein Mägdlein zarte
in einer Morgenstund
spazier’n in ein’m Garten
frisch, fröhlich und gesund.
Der Blümlein es viel brechen wollt,
daraus ein’n Kranz zu machen
von Silber und von Gold.

Da kam herzu geschlichen
ein gar erschrecklich Mann.
Sein Farb’ war ihm verblichen,
er hätt’ kein Kappen an,
er hätt’ kein Fleisch, kein Blut noch Haar,
und war an ihm verdorret
all’s miteinander zwar.

“Nun schürz dich, Mägdlein, schürz dich,
du mußt mit mir an Tanz!
Ich will dir bald aufsetzen
ein wunderschönen Kranz!
Der wird dir nicht gebunden sein
von wohlriechenden Kräutern
und andern Blümelein.

Den Kranz, den ich aufsetze,
der heißt die Sterblichkeit.
Du wirst nit sein die letzte,
für die er ist bereit:
Der grimmige Tod bin ich genannt
und bin in allen Landen
gar weit und breit bekannt.

Das Mägdlein voller Schmerzen
voll aller Angst und Not
bekümmert in ihrem Herzen
sprach sie: “Du lieber Tod,
wöllst mit mir eilen nit zu sehr
und mich armes Mägdlein zart
lassen länger leben mehr.

Ich will dich reich begaben
mit Silber und mit Gold,
und was du nur willt haben,
dasselb du nehmen sollt;
nur lasse du das Leben mir,
meine allerbesten Schätze
die will ich geben dir.”

“Keinen Schatz sollt du mir geben,
kein Silber noch edel Gestein
Ich nimm dir nur das Leben,
du zartes Mägdelein.
Du mußt mit mir an meinen Tanz,
daran geht noch manch Tausend,
bis daß der Reihn wird ganz.

Der Würmer unter der Erden
ist eine große Zahl.
Die werden dir verzehren
deinen Leib allzumal.
Sie werden deine Blümlein sein,
das Gold und auch die Perlen,
Silber und edel Gestein.”

“0 Tod, laß mich beim Leben,
nimm all das Hausgesind!
Mein Vater wird dir’s geben,
nur daß er mich lebendig find’t.
Ich bin sein einiges Töchterlein:
Er wird mich nit bald geben
um tausend Gulden fein.”

“Deinen Vater will ich auch holen:
Ich will ihn fìnden wohl
mit seinem Hausgesinde.
Ich weiß schon, wann ich kommen soll!
Jetzund nehm ich nur dich allein,
o zartes Mägdelein junge,
du mußt mit an mein Reihn!”

Er nahm sie in der Mitte,
da sie am schwächsten was,
schwang sie hinter sich zurücke
wohl in das grüne Gras.
Er rühret an ihr junges Herz,
da lag das Mägdlein zarte
voll aller Angst und Schmerz.

Ihre Farbe tät’ sie wandlen,
ihre Äuglein sie verkehrt,
von einer Seit zur ander’n
warf sie sich auf die Erd’.
All Wollust ihr vergangen was,
keine Freud’ wollt’ sie mehr treiben
dort in dem grünen Gras.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Mensch oder Maschine? Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.