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Startseite - Lieder und Akkorde - Historisch (Deutschsprachig) - Nû schrîet aber diu nebelkrâ / Jetzt aber schreit die Nebelkrähe

Nû schrîet aber diu nebelkrâ / Jetzt aber schreit die Nebelkrähe

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Text: Walther von der Vogelweide
Musik: Anna Karin
Übersetzung: Die Irrlichter
Interpreten:  Die Irrlichter
Diu welt was gelf, rôt unde blâ,
grüen in dem walde und anderswâ:
kleine vogele sungen dâ.
nû schrîet aber diu nebelkrâ.
pfligt si iht ander varwe? jâ!
sist worden bleich und übergrâ.
des rimpfet sich vil manic brâ.

Ich saz ûf eime grüenen lê;
da ensprungen bluomen unde klê
zwischen mir und eime sê:
der ougenweide ist da niht mê.
dâ wir schapel brâchen ê,
dâ lît nû rîfe und ouch der snê.
daz tuot den vogellînen wê.

Die tôren sprechent snîâ snî,
die armen liute owê owî
des bin ich swaere alsam ein blî.
der wintersorge hân ich drî.
swaz der unt der andern sî,
der wurde ich alse schiere frî,
waer uns der sumer nâhe bî.

Ê danne ich lange lebt alsô,
den krebz wolt ich ê ezzen rô,
sumer, mache uns aber frô!
dû zierest anger unde lô:
mit den bluomen spilt ich dô,
mîn herze swebt in sunnen hô:
daz jaget der winter in ein strô.

Ich bin verlegen als Êsâû:
min sleht hâr ist mir worden rû.
süezer sumer, wâ bist dû?
jâ saehe ich gerner veltgebû.
ê deich lange in selher drû
beklemmet waere als ich bin nû,
ich wurde ê münch ze Toberlû.

Übersetzung

Die Welt war fröhlich, rot und blau,
grün im Wald und anderswo,
kleine Vögel haben damals gesungen.
Jetzt aber schreit die Nebelkrähe.
Hat auch die Welt eine andere Farbe angenommen? Ja:
Sie ist nun bleich und grau in grau –
deshalb runzelt sich manch eine Stirn in Sorge.

Ich saß auf einem grünen Hügel,
wo Blumen und Klee
zwischen mir und einem See wuchsen.
Diese Augenweide ist dort nicht mehr.
Dort, wo wir einst Blumen für einen Kranz brachen,
da liegt jetzt Reif und auch Schnee.
Das Schmerzt die Vögelein.

Die Toren rufen: „Schneie, Schnee!“
Die Armen aber: „Ach, oh weh!“
Darüber ist mir das Herz schwer wie Blei geworden.
Ich habe drei Wintersorgen.
Was auch immer diese und andere angeht,
ich würde schnell frei von ihnen werden,
wäre uns der Sommer nahe.

Ehe ich so weiterlebte,
wollte ich eher einen Krebs roh verspeisen.
Sommer, mach uns wieder froh!
Wenn du wieder die Wiese und die Gerberlohe schmückst,
dann kann ich dort mit den Blumen spielen.
Mein Herz würde hoch im Sonnenschein schweben:
Jetzt aber jagt der Winter es auf ein Strohlager.

Ich bin so heruntergekommen wie Esau:
Mein glattes Haar ist mir struppig geworden.
Ach, süßer Sommer, wo bist Du?
Ich sähe wirklich lieber bestellte Felder.
Und bevor ich noch länger in einer solchen Falle
eingeklemmt wäre, wie ich es jetzt bin,
würde ich lieber Mönch zu Toberlû!
 

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Hinweise zu den Liedern

Wir sind bemüht, keinerlei Rechtsverletzungen bezüglich der aufgenommenen Lieder zu begehen. Jedoch gehen wir bei Stücken die uns zugesandt werden davon aus, dass sie entweder aus der Feder der sendenden Person stammen oder dass diese die Zustimmung des Autors für die Weitergabe eingeholt hat. Sollte diesbezüglich irgendeine Art von Fehler passiert sein, bitten wir um eine Nachricht.

Die Zeichnungen bei den Liedtexten sind, wenn nicht anders angegeben, von Dagmar Eichler zur Verfügung gestellt. Danke!!

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