Winterüberdruss

Uns hat der Winter geschad überall.
Heide und Wald sind beide nu fahl,
da manig Stimme viel süß innehall –
säh ich die Mägd an der Straße den Ball
werfen, so käm uns der Vogele Schall

Möchte ich verschlafen des Winters Zit,
wach ich die Wile, so han ich sin Nit,
das sin Gewalt ist so breit und so wit.
Weiß Gott, er lat auch dem Maien den Strit:
so ließ ich Blumen, wo Riefe nu lit.

Des winters zît

Uns hât der winter geschât über al:
heide unde walt sint beide nû val,
dâ manic stimme vil souze inne hal.
saehe ich die megde an der strâze den bal
werfen: sô kaeme uns der vogele schal.

Möhte ich verslâfen des winters zît!
wache ich die wîle, sô hân ich sîn nît,
daz sîn gewalt ist sô breit und sô wît.
weiz got er lât ouch dem meien den strît!
sô lise ich bluomen dâ rîfe nû lît.

Winterleid

Nach grüner Farb mein Herz verlangt in dieser trüben Zeit.
Der grimmig Winter währt so lang, der Weg ist mir verschneit.
Die süßen Vöglein jung und alt, die hört man lang nit meh;
das tut des argen Winter G’walt,
der treibt die Vöglein von dem Wald mit Reif und kaltem Schnee.

Er macht die bunten Blümlein fahl im Wald und auf der Heid.
Dem Laub und Gras allüber all, dem hat er wider seit.
All Freud und Luft wird jetzo feil, die uns der Sommer bringt.
Gott geb dem Sommer Glück und Heil,
der zieht nach Mittentag am Seil, daß er den Winter zwingt.