Das Lied vom jungen Grafen

Ich stand auf hohem Berge und fah ins tiefe Tal, da sah ich ein Schifflein fahren,
da sah ich ein Schifflein fahren, darin drei Grafen war’n.

Der Jüngste von den Dreien, die in dem Schifflein saßn, gebot seiner Lieben zu trinken,
gebot seiner Lieben zu trinken, aus einem venedischen Glas.

“Was gibst du mir zu trinken, was schenkst du mir lang ein? Ins Kloster will ich gehen,
ins Kloster will ich gehen, will Gottes Dienrin sein.”

Und als es war um Mitternacht, dem Grafen träumt’s so schwer, als ob sein herzallerliebster Schatz,
als ob sein herzallerliebster Schatz, ins Kloster gezogen wär.

Und als er vor das Kloster kam, gar leise klopft er an: “Wo ist die jüngste Nonne,
wo ist die jüngste Nonne, die letzt ist kommen an?”

Das Nönnlein kam gegangen in einem schneeweißen Kleid, ihr Haar war abgeschnitten,
ich Haar was abgeschnitten, ihr roter Mund war bleich.

Der Knab, er setzt sich nieder, er saß auf einem Stein, er weint die hellen Tränen,
er weint die hellen Tränen, brach ihm sein Herz entzwei.