Die Räuberbraut

Nicht weit von hier in einem tiefen Tale,
da stand ein Mädchen an einem Wasserfalle.
Sie war so schön, so schön wie Milch und Blut,
von Herzen war sie einem Räuber gut. Räuber gut.

Du armes Mädchen dauerst meiner Seele,
weil ich als Räuber wohn in einer Höhle.
Ich kann fürwahr nicht länger bei dir sein,
ich muss jetzt fort in diesen Wald hinein.

Nimm diesen Ring, und sollte man dich fragen,
so sag, ein Räuber habe ihn getragen.
Der dich geliebt, geliebt bei Tag und Nacht,
und der so viele Menschen umgebracht.

Geh du nun hin auf eine grüne Wiese,
wo viele andre junge Männer sind.
Vielleicht kannst du mit einem glücklich sein;
ich aber muss in’ finstern Wald hinein.

Und wenn ich endlich, endlich komm zum Sterben,
so sollst du alles, ja alles von mir erben.
Ich setze in mein Testament dich ein,
nur du allein sollst meine Erbin sein!

Im dunkeln Walde sah man Schwerter blitzen
und sah den Räuber tot vom Pferde stürzen.
Sie gruben unter einer Eich’ sein Grab
und senkten ihn und auch sein Pferd hinab.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Mensch oder Maschine? Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.