Viel liebe Grüße

Viel liebe Grüße, Süße, sich erheben, streben,
fröhlich, selig gleiten, schreiten auf dem Pfad.
Grad, früh und spat, hört man Dringen, Klingen, Singen:
Vöglein in den Auen.
Mit hellen Tönen, schönen, in den rauen, grauen,
Ästen, Nesten fliegen kriegen sie im Streit.
Breit, angerweit, lässt sich Grünes, Kühnes, Neues,
Freies gerne schauen.

Winter kalt, ungestalt
Dein Gewalt schwindet bald
vor den süßen Wehen.
Lichter Sommer, ohne Kummer,
als ein Frommer will ich Dummer
froh in Dir vergehen.
Grüner Klee jagt den Schnee
-jahrlang eh´- in den See
und des Meeres Fluten.
Nachtigallen, Drosseln schallen,
Lerchen hallen, zum Gefallen
statt des Ofens Gluten.

Viel Blumen, lichte, schlichte, hübscher Farben Garben,
schaue: Graue, blaue, braune, mancherlei!
Mai, Dein Geschrei sich florieret, zieret, führet
froh zu neuen Festen.
Aus frischem Rasen, Wasen, sich entschließet, sprießet,
feiner, reiner Blüte, Güte, Veilchenglanz,
Tanz, Firelfanz und der Bäume feine Keime
Zier nach kalten Frösten.

Stauden schnell, auf zur Stell,
dass Euch hell, grünes Fell
wonniglich bedecket!
Schwarze Dörner, weiße Körner,
seht verborgen ist das Sorgen
das der Winter wecket!
Kühler Bronn, warme Sonn,
gib uns Wonn, freu Dich Nonn,
stiehl Dich aus den Klostern!
Bei dem Raine, in dem Scheine,
kommt zur Minne, Buhl beginne!
Tanz im frohen Ostern!

Die Schwämme lupfen, stupfen, aus der Erde Herde,
Schlangen hangen, gleiten, häuten sich im Strauch,
Gauch, lock uns auch in die Weiden, Heiden, Maiden,
sucht der Stauden Winkel!
Da lasst uns kosen, losen, mit umschlossen bloßen,
warmen Armen herrlich, gehrlich in dem Busch!
Husch, Mündlein kusch! Wenn die reine feine Kleine
mir entblößt die Schenkel!

Fass ans Knie! Ich bin hie,
frag ich sie, heimlich wie
ich es fügen könnte:
Zu ihr rücken, freundlich schmücken,
lieblich drücken, biegen, bücken,
ob sie mir das gönnte?
Dann wär quitt, was ich litt!
Hielt sie mit, wenn ich stritt
und sie überwinde,
ohne Hassen, ohne Lassen,
ganz unmaßen, sie zu fassen,
bleib ich bei dem Kinde.

Der Mai tritt ein mit Freuden

Der Mai tritt ein mit Freuden, es flieht der Winter kalt, die Blümlein auf der Heiden,
die blühen mannigfalt. Ein Röselein zarte, von Farbe so schön,
das blüht in meinem Garten, vor allen ich’s krön.

Es ist so wohlgemute, das Röselein rot, erfrischet Sinn und Mute,
errettet aus der Not. Es ist mein Ehrenpreise, dazu mein Augentrost,
und hat mit allem Fleiße vom Tode mich erlost.

Ach, Röselein, mein Wegwart, gar freundlich ich bitt’, mein Wanderstab zu aller Fahrt,
dazu Vergißmeinnit! Die Not muß vertilgen, so lang du nur mein;
Kathrinchen von der Lilgen mein Röslein muß sein.